Zur Lehre von Jesus


 

Hilfreichste Antwort · 17.01.2017

 

Das ist etwas schwer zu beantworten, weil ich nicht weiß, was du genau meinst. Vielleicht kann ich dir aber trotzdem helfen, immerhin richte ich mich seit Jahren ausschließlich nach dem, was er sagte. Und das war eine der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens - wenn nicht die wichtigste überhaupt.

 

Die Doppeldeutigkeit ergibt sich vor allem daraus, dass es nicht selten den Grundsätzen der christlichen Religionen wie auch den Grundsätzen des Judentums widerspricht.

 

Und schon sind wir bei seiner Aussage, dass man nicht zwei Pferde reiten und nicht zwei Herren dienen kann, es sei denn, dass man einen verhöhnt. Was mich dazu brachte, mich ganz bewusst für ihn zu entscheiden und alles andere außen vor zu lassen. Keine Erzählung, keine Regel und keine Interpretation von wem auch immer - ausschließlich das, was er sagte - aus den vier kanonischen Evangelien und dem Thomas-Evangelium, apogryph, aber megagenial.

 

Gebote gibts bei Jesus nur zwei, das sollte hinzukriegen sein. Eigentlich. Es geht NUR, wenn man die 10 Gebote von Moses außer Acht lässt, aber dazu später...

 

1. Gesetz: Gott lieben mit allem was in einem ist. Gottes Reich ist laut Jesus in uns und um uns herum, weil - wenn wir ihn im Himmel suchen, werden uns die Vögel vorangehen. Und wer 'den Schöpfer mit allem liebt, der muss meiner Ansicht nach auch die Schöpfung lieben. Weil was wir an der Schöpfung nicht lieben, das lieben wir auch nicht an Gott.

 

Man muss immer bei sich selbst anfangen - das ist schon im zweiten Gesetz enthalten, das aber eigentlich mehr eine Gesetzmäßigkeit als ein Gesetz ist. Man liebt den 'Nächsten' einfach wie sich selbst - so oder so. Die Grenzen, die man sich selbst setzt, die ärgern uns, wenn andere sie übertreten. Und wenn ich eine Riesennase habe, die ich so richtig Sch**** finde, dann werd ich sie an anderen nicht hübsch finden.

Trotzdem besagt das 2. Gesetz auch, dass man bei sich selbst anfangen muss, denn wenn ich meinem Gegenüber nur die Schuhe binden möchte, WIE ich die meinen gebunden habe, dann müssen die meinen bereits gebnden sein, bevor ich mit denen meines Gegenübers anfange. Denn sollten meine dann noch offen sein, muss ich die meines Gegenübers auch auflassen, wenn ich sie binden will, WIE ich die meinen gebunden habe. Im Fall eben garnicht.

 

Außerdem gibts da ja auch noch die Sache mit dem Balken im eigenen Auge, den man rausnehmen soll, bevor man sich um den Splitter im Auge des anderen zu kümmern braucht.

 

Aus diesen beiden Gesetzen hab ich mir dann eins gebastelt:
Liebe Alles was ist mit Allem was du bist und beginne bei dir - im Jetzt und im Hier.

 

Den letzten Teil hab ich nicht von ihm selbst, sondern als Erinnerung hinzugefügt, weil die wenigsten übermorgen in Timbuktu aufhören zu rauchen. Jetzt. Hier. Fertig. Aufschieben ist nicht. Außerdem reimt es sich dann und man kann es sich besser behalten.

 

Dann gehts los. Es steht außer Frage, dass ich mich nicht bedingungslos lieben kann, wenn ich mir von vorneherein die Bedingung stelle, nicht zornig, neidisch, faul, gierig, geil oder sonstwas sein darf, weil ich das böse > schlecht > negativ finde. All das ist Urteil und das sollen wir ja nicht. Weil er ja sagte "Urteilt nicht auf das ihr nicht verurteilt werdet" Das geht nämlich durchaus in einer Person. Wer Zorn verurteilt, verurteilt sich auch selbst, wenn er zornig ist.

 

Das geht nicht von jetzt auf gleich, sondern braucht seine Zeit.
Interessanterweise wird man immer weniger zornig, je mehr man lernt, dieses Gefühl genauso wertzuschätzen wie man z.B. Fürsorglichkeit wertschätzt. Es wird einfach nur harmonischer und ausgeglichener. Außerdem wirkt es fantastisch im Spiegel. Weil alles, was ich an mir wertschätzen lerne, auch im anderen kein Ärgernis mehr darstellt.

 

Und wenn man Prass auf andere schiebt, war es mir eine große Hilfe, mir vorzustellen, er oder sie wäre mein Kind. Dann kann ich mich zwar immer noch über ein Verhalten ärgern, aber den Menschen an sich find ich dann nicht mehr persé sch****.


Wenn man das wirklich TUT, dann wirkt das wie Holler. Man merkt den Unterschied schon nach relativ kurzer Zeit - man muss nur dranbleiben und es eben TUN. Hat er ja auch gesagt - irgendwo in der Endzeitpredigt. Es predigen isses nicht, wenn man nicht TUT, was er uns gelehrt hat.

 

 

Was gibts noch.... - ah ja "Ein Prophet gilt nichts im eigenen Land und ein Arzt heilt nicht die, die ihn kennen" - also bittschön nicht Partner und Freunde bekehren, missionieren und überzeugen wollen. Das macht die beste Beziehung kaputt und früher oder später einsam.

 

Ach ja - wegen der 10 Gebote.
Die hat Jesus ja schon in der Bergpredigt (Matthäus) bzw. der Feldpredigt (Lukas) bekrittelt. Es sind DIE Gesetze und nicht DAS Gesetz, das Jesus lehrte. Sie lauten:

 

  • I. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
  • II. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.
  • III. Du sollst den Tag des Herrn heiligen.
  • IV. Du sollst Vater und Mutter ehren.
  • V. Du sollst nicht töten.
  • VI. Du sollst nicht ehebrechen.
  • VII. Du sollst nicht stehlen.
  • VIII. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
  • IX. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau.
  • X. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut.

 

Jedes Einzelne dieser Gebote setzt ein Urteil voraus, das bei Übertritt gefällt wird. Denn jedes Übertreten dieser Gebote ist eine Sünde und verurteilen den Menschen als Sünder.
Und sie bewirken im Grunde vor allem Folgendes:

 

1.   Du sollst dich nicht erwischen lassen

2.   Du sollst Gründe finden, die Fehlvergehen rechtfertigen.

 

Es sollte nach 3000 Jahren langsam gerutscht sein, dass sie nicht funktionieren und noch nie funktioniert haben. Es widerspricht der Natur des Menschen grundlegend, Grenzen zu akzeptieren. Das merkt man schon, wenn man einem zweijährigen Kind verbietet, etwas anzufassen und dann den Raum verlässt.
Vielleicht hätte das Kind sich kein bisschen für das verbotene Objekt interessiert, aber wenn jemand sagt, dass dieses Objekt nicht angefasst werden darf, dann will das Kind wissen, was denn so Spannendes an dem Ding ist, dass es nicht angefasst werden darf. Möglicherweise hält es noch ne Minute die Patschehändchen hinterm Rücken und kuckt sich das verbotene Objekt nur interessiert an. Aber dann siegt die Neugier, das liegt einfach in der Natur des Menschen.

 

Und Jesus selbst sprach sowieso nur von DEM Gesetz. Und das Allererste Gesetz ist das einzige, das in Frage kommt, weil es dem entspricht, was Jesus lehrte: Nicht zu urteilen.

Das erste Gesetz, das Adam (Adam = der Mensch) erhielt besagt, dass der Mensch alles darf, nur von den Früchten des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse soll er die Finger lassen. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist da nicht von Obst die Rede sondern vom Urteil über Gut und Böse. Jedes weitere Gesetz ist einzig eine Folge davon, dass Adam, der Mensch das erste und wichtigste Gebot gebrochen hat.

 

Kein Urteil über Gut und Böse = keine Sünde und kein Sünder.

 

Und genau das hat Jesus gelehrt. Das begreift man unweigerlich, sobald man sich wirklich auf ihn einlässt. Wer sich an sein Gebot hält, braucht nicht ein einziges von Moses Geboten. Sie sind also nicht nur kontraproduktiv, sondern auch noch völlig überflüssig. Hätte Jesus die 10 Gebote für wichtig oder wenigstens richtig gehalten, dann hätte er das auch gesagt, aber das hat er nicht getan. Im Gegenteil, in seiner Bergpredigt hat er sie bekrittelt. Er begann jedesmal mit "Es steht geschrieben", "Man hat euch gelehrt/gesagt" und fährt jedesmal fort mit "ich aber sage euch" .

Er hat sie alle kritisiert und zwar gründlich.

 


 

Einwand vom Fragenden , 18.01.2017

 

"Den letzten Teil hab ich nicht von ihm selbst, sondern als Erinnerung hinzugefügt."

Jesus hat doch ausdrücklich gesagt, dass an seinen Worten niemals etwas verändert oder hinzugefügt werden soll. Ansonsten, danke für die Antwort.

 

 

Antwort von ancanei , 18.01.2017

 

Das hat er so nicht gesagt. Was er sagte war, dass an DEM Gesetz nichts verändert werden dürfe, aber er hat weder gesagt, dass man es nicht bestmöglichst ausdrücken und lehren darf, NOCH hat er es vorgelebt. Im Gegenteil - er hat es selbst nicht wörtlich wiedergegeben, dass der Mensch nicht von der verbotenen Frucht des Baumes der Erkenntnis von gut und Böse essen darf, sondern er sagte "Urteilt nicht, auf das ihr nicht verurteilt werdet." und er hat gesagt: "Liebet einander wie ich euch geliebt habe."

 

Das heißt für mich, dass ich mir an seinem Leben (nicht sterben) ein Beispiel nehmen kann. Und genau das tue ich ja - und deswegen glaube ich, dass es nicht darum geht, die Worte nicht verändern zu dürfen, es geht darum, den Sinn zu leben und zu lehren. Denn er selbst hat nicht das Gesetz wörtlich wiedergegeben, aber er hat den Sinn dieses Gesetzes gelehrt und der Sinn ist: Urteilt nicht.


Die 'Erkenntnis von Gut und Böse' ist nicht von Gott, sondern von der verbotenen Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse. Also können die weiteren Gesetze genausowenig nicht von Gott sein. Sie entspringen nicht dem Wesen der Natur (Schöpfung), denn in der ganzen Natur (Schöpfung) gibt es keine Gesetze über Gut und Böse. Urteile über Gut und Böse sind ausnahmslos von Menschen erdacht, obwohl sie gerade das nicht dürfen, wenn sie nicht aus dem Paradies fliegen wollen. Denn nicht einmal dieses Gesetz urteilt über Gut und Böse, sondern sagt einfach nur:

Wenn ihr von dieser Frucht nascht, fliegt ihr aus dem Paradies. Und ihr werdet nicht ins Paradies zurückfinden, solange ihr euch von dieser verbotenen Frucht ernährt und glaubt, über Gut und Böse urteilen zu können.
Und die Realität gibt dem recht - ausnahmslos.

 

Was ist wichtiger, die ursprünglichen Worte (wahrscheinlich in althebräisch) auswendig zu lernen und zu predigen oder es so auszudrücken, wie es einem am besten hilft, um es jeden Tag bei jeder Gelegenheit und jedes Mal, wenn man etwas ablehnt zu TUN. Und wie es auch die Interessierten am besten verstehen und anwenden können.

 

Ich frage mich manchmal, was Jesus dazu sagen würde, wie seine Anhänger seine Lehren interpretieren und befolgen? In Matthäus Kapitel 7 steht in Vers 1 - 5:

 

  • 1 Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet;
  • 2 denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maße ihr messet, wird euch gemessen werden
  • 3 Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber in deinem Auge nimmst du nicht wahr?
  • 4 Oder wie wirst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und siehe, der Balken ist in deinem Auge?
  • 5 Heuchler, ziehe zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen.

 

Und in Vers 21 - 23:

  • 21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.
  • 22 Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt, und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben, und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan?
  • 23 und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt; weichet von mir.

 

Was ich ebenfalls total ausdrucksvoll finde, ist der letzte Teil seiner Endzeitrede, den kannst du sie nachlesen in Matthäus Kapitel 25, ab Vers 31 :

 

31 Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen; 32 und vor ihm werden versammelt werden alle Nationen, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken scheidet.
33 Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken.
34 Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen:
"Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an; 35 denn mich hungerte, und ihr gabt mir zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich auf; 36 nackt, und ihr bekleidetet mich; ich war krank, und ihr besuchtet mich; ich war im Gefängnis, und ihr kamt zu mir."
37 Dann werden die Gerechten ihm antworten und sagen:
"Herr, wann sahen wir dich hungrig und speisten dich? Oder durstig und gaben dir zu trinken? 38 Wann aber sahen wir dich als Fremdling und nahmen dich auf? Oder nackt und bekleideten dich? 39 Wann aber sahen wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir?"

40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen:
"Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan."

41 Dann wird er auch zu denen zur Linken sagen: Geht von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! 42 Denn mich hungerte, und ihr gabt mir nicht zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir nicht zu trinken;
43 ich war Fremdling, und ihr nahmt mich nicht auf; nackt, und ihr bekleidetet mich nicht; krank und im Gefängnis, und ihr besuchtet mich nicht.
44 Dann werden auch sie antworten und sagen:

"Herr, wann sahen wir dich hungrig oder durstig oder als Fremdling oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?"
45 Dann wird er ihnen antworten und sagen:

"Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr es einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr es auch mir nicht getan."
46 Und diese werden hingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben.

 

Ich sag mir halt, dass - WENN es möglich ist, dass stimmt, was er sagte, dann ist auch möglich, dass es sich so verhält wie es da steht. Und das gibt mir zu denken. Wer etwas anderes glaubt und glauben will - bitte gerne, ich rede da keinem rein. Ich erzähle nur, wie es sich mir zeigt und wie ich damit umgehe und wie ich danach lebe. Ob das so wirklich richtig ist, weiß ich nicht. Aber ich bin restlos davon überzeugt.

 

Für mich haben die offiziellen Regeln des Christentums keine Geltung mehr. Was Jesus wirklich lehrte, ist unendlich viel größer und wirkungsvoller. Es hat die Macht, unsere Fehlprägung des Gut-Böse-Denkens ganz und gar aufzulösen und dann sieht man die Welt mit anderen Augen. Außerdem steht es in vollkommenem Einklang mit der Natur (Schöpfung) und ihren (Natur-)Gesetzen.

Gleichzeitig steht es in krassem Widerspruch mit den offiziellen Lehren und allen Dogmen. Die Theologen glauben sicherlich an die Richtigkeit dessen, was sie lehren, aber sobald einer tut, was Jesus gelehrt hat, wird er seinen Irrtum erkennen. Wie ich ihn erkannt habe - und einige andere, die es bereits ausprobiert haben auch.

 

Jesus sagte:

"Wer von meinem Mund trinkt, wird werden wie ich, und ich werde wie er, und die verborgenen Dinge werden sich ihm offenbaren."  (Thomas-Evangelium, Logion 108)

 

Möglicherweise ist es so. Möglicherweise auch nicht. Ich möchte nicht, dass jemand mir glaubt, ich wünsche mir aber, dass viele es ausprobieren, um herauszufinden, ob etwas dran ist. Das muss jeder für sich entscheiden, wie ich es für mich entschieden habe.